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Kalte Heimat

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Buchcover: Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945.Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945. Wer die politische Kultur Deutschlands zu Beginn des 21. Jahrhunderts verstehen will, sollte dieses Buch lesen!

Andreas Kossert, geboren 1970, studierte in Deutschland, Schottland und Polen Geschichte, Slawistik und Politikwissenschaft. Der promovierte Historiker arbeitet heute am Deutschen Historischen Institut in Warschau und ist ein ausgewiesener Kenner des östlichen Mitteleuropa. Auf seine historischen Darstellungen Masurens (2001) und Ostpreußens (2005) erhielt er begeisterte Reaktionen.

Mit seinem neuesten Werk, Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945., schließt er eine Lücke in der Deutschen Sozialgeschichtsschreibung. Bisher wird die Integration der Deutschen Vertriebenen aus Ostdeutschland, aus Süd- und Osteuropa häufig als eine Erfolgsgeschichte des „Wirtschaftswunderlandes“ Bundesrepublik Deutschland beschrieben. Kossert weitet den Blick zum einen auf eine gesamtdeutsche Darstellung und erschüttert zum anderen den Mythos der rundum geglückten Integration.

Ausgehend von den chaotischen Umständen der Flucht, der Vertreibung und des Ankommens in den das NS-System vergessen wollenden westdeutschen und eine angeblich „bessere (sozialistische) Gesellschaft“ bauenden Landstrichen Mitteldeutschlands, beschreibt Kossert erfrischend unideologisch und zugleich einfühlsam die Veränderungen, die mit den Vertriebenen in die Aufnahmegebiete Einzug hielten, ohne die Ausgrenzung, die Diskriminierungen, die Verständnislosigkeit und Feindseligkeit ihnen und ihren sehr eigenen Problemen gegenüber zu verschweigen. Es erfolgt ein erhellender, stets fundierter Blick sowohl hinter die Kulissen von Politik, Kirche, Vertriebenenverbänden und kulturellen Initiativen, als auch auf die Erfahrungen unorganisierter Vertriebener.

Am stärksten wirkt das Werk jedoch im Bereich der politischen Kultur, der Gedenkpolitik und der psychischen (!) (Spät-)Folgen bis in die Gegenwart hinein. „Alt-68er“ werden an diesem Buch einiges zu bekritteln haben; wird doch auch ihnen ein Spiegel vorgehalten, wie gnadenlos sie und andere Ideologen bis in die jüngste Vergangenheit über Vertriebene und ihr Schicksal hergezogen und ihr Leid als gerechte Strafe für die Verbrechen des „Dritten Reiches“ verunglimpft haben. Meistens aus einer westdeutschen Sozialisation heraus, aus der sie Leid und Nöte der (Süd-)Ostdeutschen nur wenig kannten.

Kossert erinnert an alte deutsche Kultur, die zur Zeit nur noch in familiären Zirkeln erinnert und gepflegt wird, genauso wie an den Verdienst der Vertriebenen, durch persönliche Kontakte über Jahrzehnte Brücken der Versöhnung in den Osten gebaut zu haben, während für sie in der nach Westen blickenden Mehrheitsgesellschaft vielfach kein Platz war.
Er ist der Auffassung, „ein nationales Gedenken an Flucht und Vertreibung der Deutschen und an die verlorenen Gebiete im Osten – das wäre ein Anfang“. Recht hat er!


Bild: AK0901-Lit-Kalte-Heimat.jpg
Buchcover: Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945.
München 2008.

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