Zu den erklärten Zielen unseres Verbandes gehört es, unseren Mitgliedern politische Bildungsinhalte zu vermitteln, um sie zu einem aktiven Engagement in Staat und Gesellschaft zu befähigen. Dazu gehört nicht zuletzt die Kenntnis der wichtigsten, im Laufe der vergangenen Jahrhunderte entstandenen politischen Theorien. Bereits heute existiert eine Vielzahl von Büchern zu diesem Thema, die meist einen Überblick über das Gesamtwerk einzelner Autoren des politischen Denkens geben, ohne jedoch auf einzelne Werke und deren Wirkungsgeschichte einzugehen.
Diese Lücke versucht das 2007 im Suhrkamp-Verlag erschienene Handbuch Geschichte des politischen Denkens (Hrsg. Manfred Brocker) zu schließen. In kurzer, prägnanter Weise werden in 53 Kapiteln auf jeweils ca. 15 Seiten exemplarische Interpretationen einzelner Hauptwerke der politischen Philosophie gegeben. Die jeweiligen Denker werden allesamt von ausgewiesenen Experten ihres Faches (meist Professoren der Philosophie und Politik) vorgestellt. Es ist ausdrücklich nicht die Intention der Autoren, eine umfassende Darstellung des jeweiligen Werkes zu liefern, sondern die Kernaussagen vor dem geschichtlichen und sozialen Hintergrund der jeweiligen Epoche herauszuarbeiten und zu verdeutlichen. Dabei spannt das Handbuch einen weiten Bogen von Plantons Politeia über Hegels Philosophie des Geistes bis hin zu Jürgen Habermas epochemachendem Werk Faktizität und Geltung.
Ein besonderes Verdienst dieses informativen Handbuches ist es, dass neben den allseits bekannten „Klassikern“ des politischen Denkens auch heutzutage fast vergessene Autoren wie der 1632 in Dorfchemnitz geborene Samuel Pufendorf berücksichtigt werden, dessen 1673 erschienenes Kompendium des Naturrechts in mehr als 150 Ausgaben erschien und bis weit ins 19. Jahrhundert in allen europäischen Ländern Verbreitung fand. Leider geriet dieser große deutsche Denker mit dem Auftauchen des Königsberger Philosophen Immanuel Kant bei den nachfolgenden Generationen nahezu in Vergessenheit.
Das vorliegende Handbuch ist so konzipiert, dass es auch als Nachschlagwerk verwendet werden kann, um sich in kurzer Zeit über zentrale Themen, Werke und Autoren zu informieren. Was genau ist der Unterschied zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik und ist die eine der anderen vorzuziehen? Was ist unter Gerechtigkeit zu verstehen und wie lässt sich diese im Staat verwirklichen? Diese und viele weitere Fragen, die auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben, sind Gegenstand dieses Buches. Wer sich in der Zukunft mit der Geschichte des politischen Denkens befasst, wird an diesem Standardwerk nicht vorbeikommen. Es sollte auch in den Bücherregalen unserer Bundeshäuser nicht fehlen!
Manfred Brocker (Hrsg.):
Geschichte des politischen Denkens,
Suhrkamp 2006, 826 Seiten, 20,00 Euro
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