Die Fans und Bewunderer haben lange darauf gewartet; die Skeptiker beklagen eine weitere Stufe unerklärlichen Medienhypes. Sie ist da, die Biographie über den noch nicht vierzigjährigen Politstar aus Oberfranken, der noch im unbequemen Verteidigungsministeriums alle Beliebtheitsranglisten anführt: den Freiherrn von, vor allem aber zu Guttenberg. Die junge Journalistin Anna von Bayern hat sich als erste daran versucht und es auf immerhin rund zweihundert Seiten gebracht.
Literatur
Es wurde auch Zeit
Lehrjahre der Demokratie
Das Deutsche Kaiserreich wird heutzutage gerne allgemein als ein rückständiger Obrigkeitsstaat wahrgenommen – ein Bild das vor allem beim Versuch politisierender Historiker entsteht, die deutsche Geschichte in ein einfaches Schema zu quetschen, das am Ende unweigerlich auf den Fixpunkt Drittes Reich hinführt. Dem setzt die Geschichtsprofessorin Margaret Lavinia Anderson in ihrem neuen Buch ein wesentlich differenzierteres Bild entgegen.
Auf der Suche nach dem Ausstieg
Wachstum, Wachstum über alles ist die heimliche Nationalhymne der Deutschen. Besonders lautstark zu vernehmen seit dem Wiedereintritt der besonders offen wachstumsverliebten Freidemokraten in die Bundesregierung; im Grunde aber ist sie die Grundmelodie für die Politik der letzten Jahrzehnte.
Hannah Arendt: „Der Sinn der Politik ist Freiheit“
Das Leben ist immer ein Leben mit anderen. Der Mensch ist ein „zoon politikon", ein „staatsentwickelndes Tier", wie Aristoteles formulierte. Er bedarf zu seiner Vervollkommnung der Gemeinschaft mit anderen Menschen. Die Frage ist nicht, wie uns heute im Zeitalter des begrenzungslosen Individualismus (und Egoismus) eingehämmert wird: Wie soll ich leben? Sondern: Wie sollen wir leben?
Kronprinz Rudolfs Europa und Österreichs Weg
Die in Essen geborene und aufgewachsene und seit vier Jahrzehnten mit zwei Pässen in Wien lebende Historikerin Brigitte Hamann ist durch ihre Schriften über Berta von Suttner, Kaiserin Elisabeth, Kronprinz Rudolf, Hitlers Wien und Hitlers Edeljude bekannt geworden. Der Untertitel „Ein historisches Portrait“ zum Österreich-Band der Reihe „Die Deutschen und ihre Nachbarn“ ist gut gewählt, weil die Schrift bei Personen und Zeitabschnitten, über die sie selbst geforscht und publiziert hat wie ‚Franz Josef und Elisabeth’, ‚Kronprinz Rudolf’, ‚Juden in Wien’ und ‚Die Wiener Moderne’ eine besondere Dichte aufweist. Kulturelle Phänomene in dieser Historie werden bewusst einbezogen: Napoleon veranlasst einen Trauergottesdienst für Haydn mit dem Requiem von Mozart, Johann Strauß Vater spielt beim Wiener Kongress auf, sein Sohn schrieb die später verbotenen Walzer ‚Barrikadenlieder’ und ‚Revolutionsmarsch’, während sein Vater Radetzky huldigte – dem Bezwinger der italienischen Aufständischen – mit Nachwirkungen bis heute! Strauß Sohn verhöhnte 1867 in ‚An der schönen blauen Donau’ den fast bankrotten Staat. Franz Josef und sein Onkel Ludwig I. von Bayern ließen gemeinsam den Dom zu Speyer mit den Königsgräbern restaurieren.
Entscheidende und verhängnisvolle Mitbestimmung am deutschen Schicksal
Solange Kriege geführt werden, haben die Völker erfolgreiche Feldherren als nationale Heroen verehrt und ihnen immer wieder auch die politische Führung anvertraut, hießen die nun in Amerika George Washington, in der Türkei Kemal Atatürk oder in Finnland Gustav Mannerheim. Eher merkwürdig ist es, dass auch Napoleon in Frankreich zu einem solchen Mythos geworden ist, obwohl er das Land schließlich in die totale Niederlage geführt hat. Eine gewisse Parallele bildet in Deutschland Paul von Hindenburg, wenngleich auch er den großen Krieg, der ihn anfangs emporgetragen hatte, schließlich verloren hat.
Die USA - Der Mythos der Auserwähltheit
Allen Krisen zum Trotz: Die politischen Eliten Amerikas pflegen das Selbstbild eines auserwählten Amerikas. Manfred Henningsen, der an der University of Hawaii lehrende Politikwissenschaftler, schreibt über die fatalen Folgen eines überlebten Mythos und die Chancen der wichtigsten Weltmacht, sich endlich der Wirklichkeit zu stellen. Henningsen gelingt es, die„Diskrepanz zwischen symbolischem Selbstverständnis und gesellschaftlicher Wirklichkeit“ in einer beeindruckenden Zusammenschau zu analysieren. Unter kenntnisreichem Rückbezug auf bedeutungsstiftende Romane, Filme und alltagskulturelle Erscheinungen legt er identitätsbildende Tiefenschichten des amerikanischen Selbstverständnisses frei.
Endspiel: Die Revolution von 1989 in der DDR
Als Leonid Breschnew am 10. November 1982 im Alter von 76 Jahren starb, befand sich die Sowjetunion in einer tiefen gesellschaftlichen und ökonomischen Krise. Das riesige Land, in dem knapp 290 Millionen Menschen lebten, konnte seine Bevölkerung kaum noch mit dem Nötigsten versorgen. Die desaströse Situation der sowjetischen Gesellschaft spiegelte sich in einem peinlichen Vorfall wieder, der sich vor den Augen der Weltöffentlichkeit auf der Beerdigung Leonid Breschnews zutrug. Beim Ablassen des Sarges verloren die Träger die Kontrolle über die Tragseile, und der Sarg stürzte polternd in die Grube.
„Der Krieg ist doch etwas Scheußliches“
Die Kriegsbriefe des Studenten Hermann Reinhold von der Westfront 1914–1918 hat der VVDSt veröffentlicht. Damit leistet er einen weiteren Beitrag zur Aufarbeitung der Verbandsgeschichte. Die Briefe zeigen Reinholds Weg von seiner Einberufung im August 1914 bis zur Entlassung aus dem Heeresdienst im November 1918. Er stand an einigen Brennpunkten der Westfront wie der Schlacht in Lothringen 1914, der Sommeschlacht 1916, der Dritten Flandernschlacht 1917 und der „Großen Schlacht in Frankreich“ 1918. Abseits von Trommelfeuer und Sturm-angriffen erfährt der Leser viel über die Langeweile des Dienstes im Schützengraben, von der Hoffnung auf militärische Karriere, von Lazarettaufenthalten, vom ungeliebten Garnisons-dienst und vieles mehr vom Kriegsalltag.
Orient & Okzident - Verzerrte Wahrnehmung – erstarrte Bilder
Es ist keinesfalls unangebracht, daran zu erinnern, dass das Verhältnis des vom Christentum geprägten Westens (Okzident) zum vom Islam geprägten Osten (Orient) bei allen Konflikten in Geschichte und Gegenwart auch immer eine Geschichte des Austauschs und der Aneignung gewesen ist. Wie in anderen europäischen Ländern haben Dichter und Gelehrte in Deutschland eine Hingezogenheit zum Islam entwickelt, die dem Verständnis vorausgeht und der so fremden Religion und Kultur den bedrohlichen Schrecken der angsterfüllten Distanz nimmt.
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