Sonntag, 5. Feb 2012

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Eingeschränkte Solidarität

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Es ist ein eigentümlicher Zufall, dass die große Rede Präsident Obamas an die amerikanische Nation, in der er eine sehr gemischte Bilanz seines ersten Amtsjahres ziehen musste, zeitlich so eng mit der Londoner Afghanistankonferenz zusammenfällt. Überall in Europa stellen sich kluge Kommentatoren die Frage, ob der Heilsbringer Obama schon entzaubert, ja schon halb gescheitert ist mit seinem innenpolitischen Reformprojekt und dem Streben nach Frieden und Stabilität in der Welt. Was Europa, das Obamas Vorgänger doch so heftig abgelehnt hatte, selbst zum Gelingen des Projektes beitragen kann, fragen dagegen nur wenige. Merkwürdig, wo doch gerade in London die Gelegenheit bestanden hätte. Doch nein. Obama soll die Welt gerne retten. Aber bitte sehr alleine, ohne uns.

500 zusätzliche Soldaten (plus 350 Mann Einsatzreserve) will Deutschland an den Hindukusch entsenden. Nicht sehr viel für ein Land mit 80 Millionen Einwohnern und 250.000 Soldaten. Amerika, das ohnehin schon mehr als die Hälfte der internationalen Truppen in Afghanistan stellt, schickt sechzig Mal so viele, nämlich 30.000; bei knapp viermal so großer Einwohnerzahl und knapp sechsmal so großer Armee.
Die deutsche Regierung verkauft diese bescheidenen Zahlen mit dem großen Wort „Strategiewechsel“ (gefühlt dem zehnten in den letzten fünf Jahren). Führt an, der zivile Aufbau solle nun Vorrang genießen und mehr afghanische Militär- und Polizeikräfte ausgebildet statt aktiv gekämpft werden. Ganz so, als bräuchte man die Kampftruppen plötzlich von heute auf morgen nicht mehr, wo doch um Kundus herum mangels Truppenpräsenz immer mehr Landstriche in Feindeshand fallen. Natürlich braucht man sie; sonst müsste die US-Armee nicht tausende Soldaten in den deutschen Sektor nach Nordafghanistan verlegen und sie, zur Gesichtswahrung für den Verbündeten, dem deutschen Kommandeur unterstellen. Nur entsprechend zu handeln versteht man nicht – weil man sich für den schmutzigen, den kriegerischen Teil der Arbeit zu schade ist oder ihn an der Heimatfront nicht durchzustehen können glaubt. Lieber fabuliert man über hypothetische Abzugsdaten.
Ob Obama scheitert und mit ihm eine welthistorische Chance, wird die Zukunft weisen; mindestens drei Jahre hat er noch Zeit. Wenn er in Afghanistan scheitert, so vor allem an der Feigheit seiner Verbündeten.

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