Freitag, 18. Mai 2012

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„Politik ist wie ein Bauernhof. Die Tröge bleiben, nur die Schweine wechseln.“

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Politik ist wie ein Bauernhof; Quelle: sxc.hu, dragonaria
Politiker und ihr Ansehen

Die überwältigende Mehrheit der deutschen Bundesbürger würde diesem Kommentar aus der BILD wohl zustimmen. Doch es stellt sich die Frage wie es sein kann, dass eine Berufsgruppe, die eine derart hohe Verantwortung für das Wohl des Staates trägt, in etwa so beliebt ist wie Fußpilz.

Dies wird keine Ursachenforschung, sondern ein Plädoyer für die Politik und die Politiker in diesem Land.
Bei den Vorurteilen gegenüber Politikern rangiert Faulheit ganz oben. Die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land wissen zwar nicht, wie der Tagesablauf eines Abgeordneten in etwa aussieht, aber dass er bestimmt nichts tut für sein Geld, das ist gewiss.

Verfolgt man die Debatten im Plenum im Fernsehen, scheint sich das zu bestätigen, blickt man in einen Bundestag in dem vielleicht 20 Abgeordnete sitzen. Aber fragen wir uns doch einmal, was es für einen Sinn hätte, verfolgten über 600 Abgeordnete eine Rede über Finanzhilfen für Burkina Faso. Selbstverständlich ist dies ein wichtiges Thema, doch muss sich auch ein Mitglied des Verteidigungsausschusses damit befassen? Oder soll er sich nicht doch für ihn wichtigeren Dingen widmen und sich in anderen Fragen auf die Experten seiner Partei verlassen?

Politiker, so wird es anscheinend erwartet, müssen sich mit jedem Thema auskennen, von Steuerrecht über Bürgerrechte, Internetrecht und Sozialrecht bis zu Verteidigungsfragen, eigentlich sollen sie überall eine Antwort parat haben. Ansonsten sind sie faul. Oder inkompetent.

Aber im Ernst, wer kann sich all dieses Wissen aneignen? Es ist doch ein zunehmendes Zeichen von Professionalität, wenn sich Abgeordnete auf Themengebiete spezialisieren und sich bei anderen Fragen auf parteiinterne Experten verlassen.
Professionalität scheint aber in der Politik nicht erwünscht zu sein. Unverbrauchte frische Politiker braucht das Land. Nur keine Experten oder sogenannte Berufspolitiker. Politik ist wohl die einzige Branche, in der Berufserfahrung als negativ angesehen wird. Eigentlich paradox, man stelle sich nur vor man benötigt einen Herzschrittmacher und der Chirurg rühmt sich damit, dass er eine solche Operation noch nie gemacht hat.

Gute Politik beruht auf drei Säulen: Machtgewinnung, Machterhaltung und Machtausübung. Daher wird Politikern häufig Machtbesessenheit vorgeworfen. Aber was ist denn so schlimm daran, nach Macht zu streben d.h. ein Machtpolitiker zu sein?

Übersetzen wir obige drei Begriffe doch einmal ins Berufsleben: Machtgewinnung = Beförderung, Machterhaltung = Arbeitsplatzerhaltung, Machtausübung =  Seine Arbeit machen.
Klingt plötzlich ja gar nicht mehr so negativ.

Nach der Definition des kanadischen Professors für Betriebswirtschaftslehre Henry Mintzberg ist Macht „die Fähigkeit organisatorische Ergebnisse zu bewirken oder zu beeinflussen“. Übertragen wir das wieder auf die Politik:
Ein Politiker einer Partei hat den Auftrag derer, die ihn gewählt haben, gewisse Interessen zu vertreten. Wenn er jetzt nach Macht strebt, versucht er, andere für seine Überzeugung zu gewinnen und seine Interessen durchzusetzen. D.h. umso mehr ein Politiker ein Machtpolitiker ist, desto intensiver versucht er die Interessen seiner Wähler zu vertreten.
Das kann dem Wähler eigentlich doch nur recht sein.

Natürlich gibt es Politiker, die eher Volkszertreter als Volksvertreter sind. Und diese Politiker gehören sich zu Recht an den Pranger gestellt, aber wir dürfen nicht einen respektablen Berufsstand, den zu ergreifen man ein ungeheures Maß an Willensstärke und Selbstaufopferung benötigt pauschal verurteilen.
Also schauen wir bei der nächsten Politikerschelte einmal genauer hin und fragen nach, woher manche Bürger ihr detailliertes Wissen über Politiker nehmen. Und schnell wird sich das Sprichwort bewahrheiten: Worüber man am Wenigsten weiß, bildet man sich am Schnellsten ein Urteil.

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