Freitag, 18. Mai 2012

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Willensfreiheit und Determinismus

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Eine Replik auf „Zur Frage der menschlichen Willensfreiheit“ (AkaBlätter 2.2009)

Die Menschliche Willensfreiheit

Erkenntnisse der Wissenschaft und das subjektive Empfinden müssen nicht immer zusammen passen. Immerhin tun sie es überhaupt hin und wieder. So ist es sicherlich in den klassischen Naturwissenschaften. So ist es aber auch in der Neurologie. Wir können uns selbst so wenig beobachten, wie ein Computer sich selbst berechnen kann. Und so kommt es, dass unser Willensbildungsprozess uns selbst verborgen bleibt, und durch Beobachtung und Deutung Dritter entschlüsselt werden muss.

Benjamin Libet und John Eccles, die Vorreiter auf dem Gebiet der Hirnforschung waren, waren selbst überzeugt von der Existenz der „echten“ Willensfreiheit, da sie im Indeterminismus auf Quantenebene ein Schlupfloch für die Wirkung unseres Willens (unserer Seele?) sahen. Wenn man denn den Materialismus nicht akzeptieren kann und unbedingt die Freiheit des Willens beweisen muss, klingt das nachvollziehbar und füllt so schön die Wissenslücke über den Indeterminismus in der Quantenmechanik. Nur, was für eine seltsame Art des Willens soll das sein? Wie kann man den Zufall als seinen Willen bezeichnen wollen? Und wenn es kein Zufall ist, (warum) braucht der Wille dieses Versteck im Indeterminismus? Begründet sich der Wille etwa nicht logisch/deterministisch, also doch zufällig?

Die Determiniertheit der Welt

Die Welt ist komplex. Buchstäblich unvorstellbar und unberechenbar komplex. Diese Komplexität ist es, die mich überzeugt, auf einer gewissen, für uns einzig relevanten Ebene einen freien Willen zu besitzen. Über die Quantenmechanik hinaus mag man vorhersagen können, dass jener elektrische Impuls diese chemische Reaktion in Gang setzt, was jene Hirnaktivität über meine Gedanken verrät. Man kann vielleicht aus der Schaltung meiner Hirnzellen mehr über meine Autobiografie lesen, als ich mir selbst darüber bewusst bin. Man kann daraus wiederum mein Handeln für den Rest meines Lebens bestimmen können. Solange dies alles aber nur theoretisch möglich, praktisch aber unerreichbar ist (schon allein weil zu komplex und nicht unbedingt weil indeterministisch): Solange bin ich mir frei genug. Der Cartesianische Körper-Geist-Dualismus ist ein schönes Ideal, aber wir müssen nicht zwanghaft versuchen, ihn zur Realität zu erklären, um weiterhin so frei zu sein, wie wir es schon immer waren.

Mir ist die Aussage „Ich, der Körper“ tatsächlich lieber als „Ich und mein Körper“. Es ist keine narzisstische Kränkung für mich. Die Utopien oder Dystopien vom „Gedankenlesen“ und „programmierten Menschen“ machen auch mir ein wenig Angst, aber die ethische Frage stellt sich in fast jedem Fachbereich und sollte die Forschung an sich nicht behindern. Letztendlich ändern all diese Forschungsergebnisse noch lange nichts an meinem Leben und dem menschlichen Miteinander. Es geht auch weiterhin „alles mit rechten Dingen zu“.

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