
Redakteur Film und Fernsehen
Als die Gebrüder Lumière im Jahre 1895 ihren Cinématographen der Öffentlichkeit vorstellten, konnten sie noch nicht abschätzen, dass der Film das bestimmende Medium des nächsten Jahrhunderts werden sollte. Noch waren die „bewegten Bilder“ eine von vielen wundersamen Erscheinungen, die bisher vor allem die Besucher von Jahrmärkten erfreuten. Durch die organisierte Verbreitung Anfang des 20. Jahrhunderts erkämpfte sich das neue Medium jedoch schnell den Status einer eigenständigen Kunstform. Mehr noch, das Kino wurde zum Träger der Träume aber auch der Albträume der Moderne, ein Sinnbild für die Errungenschaften und die Schrecken der sich rasch fortentwickelnden industrialisierten Gesellschaft. Film erzeugt für unsere Augen eine Welt nach unseren Wünschen, wie Béla Balázs anmerkt. Doch was, wenn diese Wünsche von einem totalitären System bestimmt werden? Schon früh erkannte man, dass das Kino sich hervorragend für die Verbreitung von Weltanschauungen und Ideologien eignete. Auch heute noch spielt der Film eine wichtige Rolle für die Bildung politischer Identitäten. Neben der Analyse des Films als Kunst besteht die Aufgabe des Medienwissenschaftlers darin, die durch die „bewegten Bilder“ ausgelösten politischen und soziologischen Prozesse aufzudecken und zu kontextualisieren. Dieses Vorhaben kann nur durch einen interdisziplinären Ansatz gelingen, der die Felder der Politik, der Geschichte und der Gesellschaftswissenschaften in die Untersuchungen des Filmischen einbezieht.
Zur Person:
Jahrgang 1983, nach dem Abitur Praktika bei verschiedenen Unternehmen im Bereich Film und Fernsehen, gleichzeitig Studium der Medienwissenschaft, Geschichte und Literatur in Marburg, Magister Artium im Sommer 2008. Dissertationsprojekt zur Darstellung der ‚neuen Kriege‘ im Film und seit Mitte 2009 Lehrauftrag an der Philipps-Universität Marburg.

Rasmus Greiner





