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Geschichte der Akademischen Blätter

Die Akademischen Blätter wurden 1886 als Zeitschrift des Kyffhäuser-Verbandes der Vereine Deutscher Studenten gegründet; heute: Zeitschrift des Verbandes der Vereine Deutscher Studenten (VVDSt), der 1951 gegründeten Nachfolgeorganisation des Kyffhäuser-Verbandes. Die Akademischen Blätter (Ak.Bl.) wurden 1886 gegründet, nachdem die dem Kyffhäuser-Verband nur nahestehende Kyffhäuser-Zeitung (erstmals erschienen am 2. November 1881; Einstellen des Erscheinens am 1. Juli 1885) in Widerspruch zu weiten Kreisen des Kyffhäuser-Verbandes geraten war. Der Kyffhäuser-Verband beschloss daraufhin die Schaffung eines eigenen Verbandsorgans auf der 5. Verbandstagung von 1885. Am 27. Januar 1886 wurde ein formeller Beschluss zur Gründung der Ak.Bl. gefasst und als Erscheinungsdatum für die erste Ausgabe der 1. April 1886 festgelegt. Die Entwicklung der Ak.Bl. verlief günstig, im Jahre 1910 betrug die Auflage 4.200 und der Leserkreis war recht groß. Nicht nur Mitglieder und Alte Herren der Vereine Deutscher Studenten bezogen die Ak.Bl., sondern sie wirkten auch über diesen Kreis hinaus und wurden von Interessierten aller politischen Lager gelesen. So waren die Ak.Bl. nicht nur in den akademischen Lesehallen und später in den Universitätsbibliotheken zu finden, sondern zu Beginn auch in größeren Speise- und Kaffeehäusern.

Die Besonderheit der Ak.Bl. bestand darin, dass es das erste und für längere Zeit einzige Korporationsorgan war, das seinen Schwerpunkt in der politischen Berichterstattung aus Hochschule und Gesellschaft sah, während andere studentische Organe fast nur über verbandsinterne Vorgänge berichteten. Garanten für das hohe Niveau der politischen und akademischen Diskussionen, die in den Ak.Bl. geführt oder angeregt wurden, waren neben den Redakteuren der traditionell politisch orientierten und engagierten VDSter besonders die Schriftleiter der Ak.Bl. Zu ihnen gehörten bekannte Journalisten, Politiker und Historiker. Hier sind nur einige zu nennen: 1891-1892 der Historiker Hermann v. Petersdorff, 1897-1906 der Politiker Paul Baecker und der Historiker Otto Hoetzsch, 1907-1910 der Politiker und Historiker Ludwig Bergsträßer, 1933-1934 der Publizist Hans Fritzsche. Viele VDSter nutzten die Ak.Bl. als Möglichkeit ihr politisches und journalistisches Talent zu erproben und nahmen aus der Redaktion der Ak.Bl. heraus führende Positionen in der deutschen Presselandschaft ein.

Sinn der Ak.Bl. war und ist es immer gewesen neben der Wiedergabe der Auffassungen des Verbandes auch für die gegenseitige Vermittlung von Wissen und für einen Wettstreit der Meinungen zu sorgen. Daher fand denn auch das Ringen jeder Generation mit den geistig-wissenschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Problemen ihrer Zeit stets in den Ak.Bl. seinen Ausdruck. So finden sich in den Ak.Bl. neben verbandsoffiziellen Mitteilungen und Mehrheitsmeinungen auch zahlreiche Einzelmeinungen. Dies macht die Akademischen Blätter zu einer wichtigen Quelle für die Geschichte des Kyffhäuser-Verbandes, aber auch der Entwicklung der deutschen Studentenschaft allgemein.

Die Ak.Bl. erschienen 1886 bis 1929 halbmonatlich und 1929 bis 1939 monatlich. Nach Auflösung des Kyffhäuser-Verbandes 1938 wurden auch die Ak.Bl. mit dem 53. Jahrgang eingestellt. Nach der Wiedergründung des Kyffhäuser-Verbandes als Verband der Vereine Deutscher Studenten 1951, erschienen auch die Ak.Bl. ab 1952 wieder. Sie kamen 1952 bis Ende der 60er Jahre monatlich und bis 1985 alle zwei Monate heraus. Seit 1986 erscheinen die Ak.Bl. vierteljährlich. Heute besteht die Redaktion aus vier Redakteuren, die jeweils mit der Gestaltung eines Heftes beauftragt sind. Der Redaktion steht ein Sprecher vor. Die Auflage beträgt 5400.

Quellen: Praktisches Handbuch des VVDSt (KV), 5. überarb. u. erg. Aufl. 1992, S. 226-228; Hedwig Roos-Schumacher, Der Kyffhäuser-Verband der Vereine Deutscher Studenten. Ein Beitrag zum nationalen Vereinswesen und zum politischen Denken im Kaiserreich (Deutsche Akademischen Schriften. Neue Folge. Bd.7), 2. Aufl. o. O. 1987, S. 78-79; Norbert Kampe, Studenten und „Judenfrage“ im Deutschen Kaiserreich. Die Entstehung einer akademischen Trägerschicht des Antisemitismus (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 76), Göttingen, 1988, S. 136-137.
Zirlewagen, Marc: Akademische Blätter, in: Lexikon studentengeschichtlicher und hochschulkundlicher Begriffe, in: GDS-Archiv Nr. 5, Köln 2001, S.191-192
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