Sonntag, 5. Feb 2012

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Für ein lebendiges Mitteleuropa

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{mosimage}Im Interview mit dem Vorsitzenden des Mitteleuropa-Vereins Deutscher Hochschüler e.V., Bálint Kolnhofer, VDSt Fünfkirchen, VDH Budapest

Der Mitteleuropa-Verein Deutscher Hochschüler e.V. wurde im Herbst 2006 beim 1. Stiftungsfest des VDH Budapest von Studentinnen und Studenten aus verschiedenen Ländern Europas in der Hauptstadt von Ungarn gegründet. In den letzten zwei Jahren beschäftigte sich der Vorstand mit dem Aufbau der neuen Organisation. Die Akademischen Blätter befragten den Vorsitzenden, Bálint Kolnhofer, VDSt Fünfkirchen, VDH Budapest über die bisherigen Ergebnisse.

Helmut Herman Bechtel: Im vergangenen Jahrzehnt sind auf den Siedlungsgebieten deutscher Minderheiten in Mitteleuropa neue VDSt- und VDH-Bünde aus dem Boden gewachsen. Einige von ihnen ringen noch um ihre Existenz, suchen nach Profil und Identität, andere haben inzwischen eine gewisse Stabilität und Anerkennung erreicht. Was war der Anlass zur Gründung eines neuen Vereins?

Bálint Kolnhofer: Das Mitteleuropakonzept haben die Altvorsitzenden des VVDSt, Bbr. Bbr. Diethelm Keil und Erich Wachernig aufgegriffen und zukunftsträchtig fortentwickelt. Dementsprechend wurden in den letzten fünf bis sechs Jahren von VDSt- und VDH-Bünden Mitteleuropa-Tagungen in Ödenburg, Nordschleswig, Görlitz, Fünfkirchen und Temeschwar durchgeführt. Viele Kontakte bestehen bereits zu deutschsprachigen Institutionen, wie der Andrássy-Universität in Budapest, der rumänisch-deutschen Universität in Hermannstadt, dem Mitteleuropa-Institut der Universität Dresden usw. In einem Mitteleuropa-Verein wollen wir den deutschsprachigen akademischen Nachwuchs in den verschiedenen Ländern Mitteleuropas dazu motivieren, die Kenntnis der verschiedenartigen, aber auch gemeinsamen Geschichte, Kultur und Tradition in die Europäische Union einzubringen. Das soll bei Tagungen und Seminaren, durch Förderung von Studentenaustausch und Praktikantenvermittlung erfolgen. Mitteleuropa steht als Symbol für eine Vielfalt der Völker und Sprachen. Deutsche Unternehmen in den mitteleuropäischen Ländern brauchen gut ausgebildete Fachkräfte, die die jeweiligen Landessprachen und Deutsch sprechen. Auch dies wollen wir fördern.

Helmut Herman Bechtel: Das Gründungsmitglied des MVDH und Altvorsitzender des VVDSt, Erich Wachernig definierte die Ziele des neuen Vereins im Jahre 2006 folgendermaßen: „Der heute gegründete ‚Mitteleuropa-Freundeskreis Deutscher Studenten e.V.‘ hat sich zum Ziel gesetzt, die Einrichtung von VDH-Studentenwohnheimen, die Förderung von VDHern bei Studienaufenthalten in Deutschland und Österreich zu fördern.“ (Donauschwäbische Mitteilungen 2) Was konnte aus dieser Zielsetzung seitdem verwirklicht werden?

Bálint Kolnhofer: Mit dem Beitritt Polens, Tschechiens, Ungarns, Sloweniens, der Slowakei und der baltischen Länder zur EU trat eine neue mitteleuropäische Region mit diversen historisch-kulturellen Hintergründen stärker ins Blickfeld. Mit der erfolgreichen Gründung der VDH-Bünde in der mitteleuropäischen Metropole Budapest, in Ratibor, Oppeln und Temeschwar wurde das bisherige VDH-Netzwerk verdichtet. Der VVDSt hat mit diesen Bünden bereits ein Arbeitsabkommen geschlossen. Eine langfristige erfolgreiche Entwicklung dieser Bünde ist aber ohne finanzielle Investitionen nicht möglich, die weder vor Ort noch durch den Verband (VVDSt) erbracht werden können. Deshalb hat sich der Mitteleuropa-Verein mit Sitz in Budapest das Ziel gesetzt, die Kulturtagungen und die Studentenwohnheime mitzufinanzieren und die Studentinnen und Studenten zu fördern, also ungefähr das, was die Friedensburg-Stiftung (FFS) und der Hermann-Ehlers-Fond (HEF) tun, hier aber nur für die neuen Beitrittsländer.
Wir gehen davon aus, dass ein von VDStern und VDHern initiierter Mitteleuropa-Verein zumindest in Ungarn und in den Nachbarländern von Beginn an von der Öffentlichkeit gut angenommen wird und bei geistig anspruchsvollen Studenten und Akademikern beiderlei Geschlechts Interesse findet. Unsere Organisation wurde in Budapest als gemeinnütziger Verein eingetragen, so dass die deutschen und österreichischen Firmen, die in Ungarn tätig sind, Spenden steuerbegünstigt absetzen können. Spenden in Deutschland laufen über die Suevia Pannonica, hier wurde bereits ein Konto für den Mitteleuropa-Verein eröffnet. Wir arbeiten derzeit noch daran, dass wir für unsere Ziele die richtigen Quellen finden und bald über VDH-Studentenwohnheime und Förderprogramme berichten können.

Helmut Herman Bechtel: Hängt das erfolgreiche Vereinsleben mit der Frage von Wohnheimen bzw. Begegnungsstätten so stark zusammen?

Bálint Kolnhofer:Unbedingt. Das hat sich sehr wohl am Beispiel von Fünfkirchen gezeigt. Ohne ein Haus oder eine „Bude“ entwickelt sich kein richtiges Vereinsleben. Deshalb haben auch die vor kurzem gegründeten VDH-Bünde eine ziemlich schwierige Lage, da sie ihr Semesterprogramm so organisieren müssen, dass sie immer die passenden Räumlichkeiten und Mietobjekte für ihre Programme bekommen. Ich kann mich an die Zeiten erinnern, wo wir uns in Fünfkirchen ein bis zweimal im Monat in einem Keller getroffen haben und Bbr. Dr. Amrein dabei über das Vereinsleben beim VDSt Graz erzählte.

Helmut Herman Bechtel: Wie ist die Beziehung zu den betroffenen VDH- und VDSt-Bünden in der Umgebung?

Bálint Kolnhofer: Ich kann bereits über einige gemeinsame Programme berichten, die Entfernung und die Finanzierung spielt aber eine sehr große Rolle. Der Mitteleuropa-Verein ist wie bereits erklärt keine konkurrente Organisation zu den VDH-Bünden, sondern ein unterstützender Verein, der – ähnlich wie FFS und HEF – für die VDH-Bünde Fördermittel zur Verfügung stellt. VDSter und VDHer lernen sich im Rahmen politischer Bildungsarbeit bei Tagungen, Stiftungsfesten und wechselseitigen Besuchen kennen. Ähnlich wie bei den Wieder- und Neugründungen in den neuen Bundesländern ist auch hier ein besseres Verstehen anderer historisch-kultureller Erlebniswelten ein Entwicklungsprozess.

Helmut Herman Bechtel: Ein Ziel der Gründung von Verbindungen außerhalb des geschlossenen deutschen Sprachgebiets war es, zur Stabilisierung der Akademikerschicht von deutschen Minderheiten, die infolge des enormen Assimilationsdrucks im 20. Jahrhundert in ihrer Identität geschwächt wurden, beizutragen. Der VDSt Fünfkirchen, die erste Organisation dieser Art, feiert nächstes Jahr sein 15. Stiftungsfest. Konnten diese Vereine ihren Platz im Netz der „einheimischen“ Institutionen finden und ihre Aufgabe erfüllen?

Bálint Kolnhofer:Es ist eine sehr komplizierte Frage. Ich glaube nicht, dass diese Vereine gänzlich ihren Platz in Ungarn gefunden haben, ihre Aufgaben erfüllen sie aber schon. Es herrscht (zumindest in Ungarn) eine andere Tradition: Studentenverbindungen, Korporationen sind keine bekannten Begriffe, man soll diese erklären. Wobei die Zugehörigen einer Minderheitengruppe sehr wohl ihrer Abstammung, Tradition und Sprache bewusst sind. Ich bin aber sehr stark der Meinung, dass die genannten Vereine nicht genügend am politischen und kulturellen Leben im Netz der einheimischen Institutionen beteiligt sind, es wäre hier noch einiges zu unternehmen.

Helmut Herman Bechtel: Wie würdest Du gerne die VDH- und VDSt-Bünde in Kroatien, Polen, Rumänien und Ungarn bzw. den Mitteleuropa-Verein Deutscher Hochschüler e.V. in zehn Jahren sehen?

Bálint Kolnhofer:: Ich hoffe sehr, dass wir als Förderverein sehr bald einige unserer Zielsetzungen erreichen werden und in 3 Jahren bereits über Wohnheime und abgeschlossene Projekte berichten können.

Helmut Herman Bechtel: Vielen Dank für das Interview!

Bbr. Bálint Kolnhofer (Jahrgang 1976) studierte an der Universität Fünfkirchen Germanistik und an der Universität Ödenburg Betriebswirtschaft. Er arbeitet als Finanzleiter und Prokurist bei der voestalpine Stahlhandel Győr GmbH. Bbr. Kolnhofer ist Gründungsmitglied des VDSt Fünfkirchen und des VDH Budapest bzw. Vorsitzender des Mitteleuropa-Vereins Deutscher Hochschüler e.V.

Mitteleuropa-Verein Deutscher Hochschüler e.V.
Vorsitzender: Bálint Kolnhofer
H-2040 Budaörs, Víg utca 72.
Tel.: +36(0)20/9151932

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