Montag, 21. Mai 2012

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Bachelor und Master - Die neuen europäischen Abschlüsse

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Nach dem Willen der europäischen Bildungspolitiker sollen die neuen Abschlüsse das angelsächsische Modell kopieren. Man erhofft sich dadurch weltweit eine Harmonisierung und Vergleichbarkeit der Abschlüsse. Doch selbst in den angelsächsischen Ländern sagen Bachelor und Master noch lange nicht dasselbe aus.

Unterschiedlichste Studiengänge mit höchst verschiedenen Anforderungen werden (nach drei Jahren) mit dem Bachelor abgeschlossen. Manche Bachelor-Diplome besitzen nur den diskreten Charme von Anwesenheitsbestätigungen. Es kommt weniger auf den Namen des Zertifikats an als auf die Institution, die es ausstellt. (Ein Student z.B., der seinen Bachelor in Oxford erworben hat und hinter seinem Namen die Bezeichnung BA Hons (Oxon) führt, zeigt an, dass er den Bachelor mit Auszeichnung (Hons = honours) bestanden hat; noch wichtiger ist der weitere Zusatz Oxon (Oxoniensis). Er hat damit die Auswahl unter vielen guten Stellen mit ausgesprochen hoher Anfangsvergütung. Ein Bachelor der gleichen Studienrichtung aus einer der neuen (staatlich dirigierten) Universität Englands eröffnet nicht diese Chancen.

Es wäre falsch, anzunehmen, beide hätten das gleiche studiert.) Man stelle sich die Situation realistisch vor: Von den etwa 2000 Universitäten (Hochschulen) in den USA sind etwa fünfzig mit deutschen Universitäten vergleichbar, dann gibt es eine Handvoll Spitzenuniversitäten, 400 Universitäten vom verbleibenden Rest zählen zu den schlechtesten der Welt, die übrigen liegen irgendwo zwischen gymnasialer Oberstufe, Fachakademie und betrieblichem Weiterbildungszentrum. (Es ist in Erinnerung zu rufen, dass die Bezeichnung Universität in den USA nicht geschützt ist. Jede Sekte kann z.B. ‚ihre’ Universität eröffnen und Diplome vergeben.) Gemeinhin kann vom angelsächsischen Bachelor gesagt werden, dass er – wie der Ausdruck undergraduate studies bezeichnet – zur wissenschaftlichen Qualifikation hinführt (hinführen soll), die erst mit den postgraduate studies begonnen wird. Insofern sind traditionelle deutsche Universitätsabschlüsse (Staatsexamen, Diplom, Magister) mit den angelsächsischen nicht vergleichbar. Gleichwohl sollen sie nach dem Willen der deutschen Wissenschaftspolitiker sukzessive abgeschafft werden.

„Klären wir ein paar Voraussetzungen. Der britische Durchschnitts-Bachelor entspricht heute qualitativ der Zwischenprüfung oder dem Vordiplom; der englische Magister dem deutschen Staatsexamen, was das intellektuelle Niveau angeht. Der deutsche Magister (in der weitgehend noch gehandhabten Form) kommt einem britischen Mphil gleich, einer (zu unrecht unbeliebten) Zwischenstufe zwischen MA und PhD.“ (Görner)

Es ist zu fragen: Wohin führt eine Reform, die das wissenschaftliche Niveau (Qualität) absenkt, um politische Ziele (Quantität: 50 Prozent eines Jahrgangs an die Universität!) zu erreichen? Und wie lässt sich die Reform mit der Forderung nach Elite-Universitäten vereinbaren? Ist Bildungspolitik nur eine Unterabteilung der Sozialpolitik? Sollten diese Pläne Erfolg haben, immer mehr junge Menschen möglichst schnell durch die Universität hindurchzuschleusen, denn das lässt sich politisch immer als Erfolg verkaufen, wird mehr aufgegeben als nur deutsche akademische Grade, nämlich die Differenzqualität der deutschen Universität, die sich immer gegenüber den angelsächsischen Institutionen behaupten konnte, ja lange Zeit das Vorbild schlechthin war. Vertreiben die deutschen Wissenschaftspolitiker – natürlich im Namen des Fortschritts – den letzten Rest des Geistes von Humboldt aus den deutschen Universitäten?

Collini, Stefan: „HiEdBiz” – In: London Review of Books, 6 September 2003.
Görner, Rüdiger: „Allzu bereitwillige Selbstaufgabe. Über die hemmungslose Selbstanglisierung der deutschen Universitäten“ – In: Forschung und Lehre, 6/2004.

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