Freitag, 18. Mai 2012

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Spontan bleiben

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Rechtzeitige Orientierung und frühzeitiges Knüpfen von Kontakten sind im Studium fraglos nützlich. Die wichtigen Entscheidungen fallen dennoch oft spontan. Über seinen Weg in den Beruf als Ingenieur im Fachbereich Elektrotechnik erzählt Thibault Bautze.

Aka-Blätter: Deine offizielle Berufsbezeichnung ist „Entwicklungsingenieur“. Was hat man sich als Laie darunter vorzustellen?

Thibault Bautze: Unsere Firma produziert Optiken und Prozess-Sensorik für Laser-Schweiß- und Schneidsysteme. Jeder Entwicklungsingenieur hat die Zuständigkeit für ein Produkt und entwickelt es weiter. Bei mir sind das momentan neuartige Formen der Signalverarbeitung.

Wie hat man sich den Arbeitsalltag vorzustellen?

¾ der Zeit verbringt man am Schreibtisch mit Datenauswertungen, Simulationen, Projektberichten etc. Etwa einen Tag alle zwei Wochen ist man im Labor, testet und entwickelt praktisch.

Ist die Arbeit eher individuell oder teamorientiert?


thibault bautzeMein aktuelles Projekt führe ich in Zusammenarbeit mit der TU München durch, insofern handelt es sich durchaus um Teamarbeit und gibt es auch Austausch.

Wie bist Du mit Deinem jetzigen Arbeitgeber in Kontakt gekommen?

Schon im 4. Semester über einen Studentenjob (Webprogrammierung). 2007 habe ich mein Betriebspraktikum auch dort absolviert, wobei ich ein halbes Jahr in China verbracht und Produkte der Firma dort vertrieben habe. Das Thema meiner Diplomarbeit an der TU München betraf dann auch das gleiche Forschungsfeld.

Entspricht der Job den Vorstellungen, die Du im Studium hattest?

Da ich die Firma vorher schon kannte: ja.

Hättest Du im Rückblick die eine oder andere Fächerwahl anders getroffen, wenn Du noch einmal entscheiden müsstest?

Im Grunde nein. Die gewählte Vertiefungsrichtung – Luft- und Raumfahrttechnik – war zwar eine andere als diejenige, in die ich nun beruflich gegangen bin. Aber es tut immer gut, auch andere Bereiche einmal gesehen zu haben, und man wird ohnehin immer nur einen Teil des im Studium erworbenen Wissens praktisch einsetzen können. Außer der Mathematik natürlich, die braucht man als Ingenieur immer.

Haben Dir Deine Aktivitäten in Hochschulgruppen auch beruflich weitergeholfen?

Auf jeden Fall. Die aktive Mitgliedschaft in der Akademischen Fliegergruppe wäre natürlich doppelt wichtig gewesen, wenn ich wirklich in die Luftfahrtbranche gegangen wäre. Denn die Fliegergruppen haben dort ein sehr gutes Renommee, weil die Mitglieder über mehrere Jahre intensiv und praktisch mit dem fliegenden Gerät und den zugehörigen Materialien gearbeitet haben.

Die Vorteile, die man aus dem VDSt ziehen kann, so wie ich ihn in Karlsruhe kennen gelernt habe, sind eher weicher Natur, z. B. auf Moderations- und Präsentationstechniken bezogen, die man dort üben kann. In der Berufspraxis merkt man sofort, wenn jemand in einer solchen Situation ein Neuling ist.

Das lehrt die Uni nicht?


Nein, zumindest im alten Diplomstudiengang haben Präsentationstechniken oder auch betriebswirtschaftliche Grundlagen, die man immer mal braucht, gefehlt. Das muss man sich nebenher aneignen. Dafür eignen sich zum Beispiel Fallstudien oder Seminare, die von verschiedenen Unternehmen für Studenten angeboten werden.

Inwiefern hat Dein bilingualer Hintergrund Dein Studium beeinflusst? Du hast ja wallonische Vorfahren und neben dem deutschen auch ein französisches Abitur gemacht.

Ursprünglich hatte ich mich für die Uni Karlsruhe genau wegen der Möglichkeit eines Doppeldiploms in Zusammenarbeit mit dem französischen Grenoble entschieden. Die nötigen zwei Jahre Auslandsstudium wären aber mit diversen anderen Engagements kollidiert.

Einen detailliert festgelegten Masterplan hast Du in Deinem Studium also nicht stringent verfolgt?

Nein, es gab immer mehrere Möglichkeiten, und man muss auch offen bleiben für unerwartete Chancen. Wichtig war damals, das Vordiplom in 4 Semestern zu absolvieren, um dann, in der Mitte des Studiums, ohne Druck die wichtigen Weichen stellen zu können. Aber bei mir war z. B. auch eine Promotion oder ein MBA an der Uni bis zuletzt eine Option. Nun arbeite ich berufsbegleitend an einer Dissertation zu meinem Fachthema.

Was würdest Du Studienanfängern heute raten?

In Kürze: Einer fachbezogenen Hochschulgruppe beitreten; sich im Prüfungswirrwar immer die Perspektive für den späteren Beruf klarmachen, das erleichtert auch das Lernen; und nachher im Job immer ein wenig lauter bellen als andere.
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