Sonntag, 5. Feb 2012

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Deutsche Revolutionen

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Robert BlumDas Jahr 2009 wird ein wichtiges Jubiläum sehen: Der Fall der Berliner Mauer, der symbolisch steht für die erfolgreiche Bürgerbewegung in der DDR, den friedlichen Aufstand gegen die SED-Diktatur und den Auftakt zur Einheit, jährt sich zum zwanzigsten Mal. In den Akademischen Blättern werden wir dieses Jubiläum würdigen durch eine ausführliche Rückschau auch auf diese Revolution.

Wir haben uns aber entschieden, unseren Lesern einen etwas breiteren historischen Einblick zu geben durch eine Darstellung mehrerer deutscher Revolutionen im 19. und 20. Jahrhundert, in einer vierteiligen Serie, die in dieser Ausgabe beginnt. Durchaus auch mit dem Hintergedanken, einmal zu zeigen, dass die Deutschen gar nicht so unrevolutionär gewesen sind, wie gelegentlich gesagt wird. Dass deutsche Revolutionäre nie einen Bahnhof besetzen könnten, ohne vorher Fahrkarten zu lösen, wie Lenin einst spöttisch meinte, wird sich womöglich als Vorurteil erweisen.

Den Anfang macht  Stefan Martin (AH VDSt Clausthal-Freiberg) mit der Deutschen Revolution von 1848/49. Er erzählt die Geschichte ihrer vielfältigen Motive und Ursachen, des mehrfachen Widerstands, auf den sie traf; die Geschichte ihres siegreichen Anfangs und ihres traurigen Endes. Um zugleich zu zeigen, dass sie dem freien Deutschland von heute trotz ihres Scheiterns ein Vermächtnis hinterließ.

Begriffsdefinition „Revolution“

„Revolution“ (frz., lat.: revolvere – zurückdrehen, zurückrollen) im politisch-sozialen Sinn bezeichnet die grundlegende Umgestaltung der gesellschaftlichen Struktur sowie der kulturellen Wertvorstellungen in einem bestimmten geographischen Bereich. Bis in die frühe Neuzeit hinein bedeutete Revolution eine Veränderung als Ergebnis natürlicher Gesetzmäßigkeiten. Erst mit der Französischen Revolution erhielt der Begriff die Bedeutung einer radikalen Abkehr vom historisch Gewordenen im Sinne eines grundlegenden, dramatischen Wandels in Politik und Gesellschaft, von Institutionen und Mentalitäten. Häufig geschieht dies mit dem Anspruch, eine gerechtere, menschlichere Gesellschaft herbeizuführen. Träger der Revolution sind in der Regel benachteiligte Schichten und unterdrückte gesellschaftliche Gruppen, auch wenn als Wortführer häufig Angehörige des Bürgertums und der Oberschichten fungieren (ZEIT-Lexikon).

1789 – Urbild der Revolution

Am Anfang stand die Revolution von 1789 mit ihrer populären Forderung nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit („Liberté, Égalité, Fraternité“). Als ein „Urbild der Revolution, als die Revolution schlechthin“ bezeichnete der Dichter Friedrich Schlegel die Französische Revolution. Von bleibender Bedeutung war die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26. August 1789. Sie bildete die Grundlage der Verfassung vom 3. September 1791, durch die Frankreich zu einer konstitutionellen Monarchie wurde. Bezug nehmend auf die Französische Revolution spricht Immanuel Kant in seiner Schrift über den Streit der Fakultäten von 1798 von der Unmöglichkeit, dass sich „ein solches Phänomen in der Menschheitsgeschichte“ vergessen könne, „weil es eine Anlage und ein Vermögen in der Natur des Menschen zum besseren aufgedeckt hat“. Wie eng Menschenrechte und Schreckensherrschaft beieinanderliegen können, zeigt sich in der zweiten, radikalen Phase der Französischen Revolution. Mit der Entmachtung der Gironde Ende Mai 1793 begann die Jakobinerherrschaft, die sich zu einer Diktatur des Wohlfahrtsausschusses unter Maximilien Robespierre entwickelte. Ihr fielen Tausende tatsächliche und vermeintliche Revolutionsgegner (allein in Paris wurden 2780 Personen hingerichtet) und am Ende auch Robespierre selbst zum Opfer. Das von den Zeitgenossen als traumatisch wahrgenommene Abgleiten in Gewalt und Terror wird treffend durch die berühmt gewordenen Worte eines Girondisten „Die Revolution frisst ihre Kinder“ ausgedrückt.

Unbestritten bleibt, dass der epochale geschichtliche Umbruch des Jahres 1789 tiefe Spuren in der europäischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts hinterlassen hat. Die Saat von 1789 ging auf in der Julirevolution von 1830 die zum Sturz der restaurierten Bourbonen-Monarchie führte, im Hambacher Fest von 1832, der bis dato größten politischen Massenveranstaltung in Deutschland und schließlich in der Februarrevolution von 1848, die den europäischen Völkerfrühling einläutete.

 

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