Redakteur Stefan Martin im Gespräch mit Bärbel Bohley, Bürgerrechtlerin und Begründerin des "Neuen Forums" über ihre Erfahrungen mit der DDR-Staatssicherheit, die zwielichtige Rolle von Gregor Gysi und ihre Freundschaft mit Petra Kelly.
Redakteur Stefan Martin im Gespräch mit Bärbel Bohley, Bürgerrechtlerin und Begründerin des "Neuen Forums" über ihre Erfahrungen mit der DDR-Staatssicherheit, die zwielichtige Rolle von Gregor Gysi und ihre Freundschaft mit Petra Kelly.
Die Geschichte deutscher Revolutionen ist lang; länger, als die meisten meinen. Aber sie ist keine sehr glückliche Geschichte. Angefangen vom Bauernaufstand zu Luthers Zeiten über die Märzrevolution 1848, die Novemberrevolution 1918 bis hin zum Aufstand des 17. Juni 1953 ist sie vor allem eine Geschichte des Scheiterns. Eine strahlende Ausnahme aber gibt es immerhin: die revolutionäre Umformung der DDR, die vor zwanzig Jahren erst zum Mauerfall und dann zur Wiedervereinigung führte. Aber auch diese deutsche Revolution wirft Fragen auf. Fällt sie eigentlich historisch in die Kategorie der Revolutionen und war sie – in ihrem eigenen, revolutionären Sinne – wirklich erfolgreich? Beide Fragen beantworten wir gemeinhin ohne viel Nachdenken mit Ja. Aber es lohnt sich, einmal genauer hinzuschauen, denn so eindeutig sind die Antworten nicht; und aus ihnen erklärt sich auch manches Folgeproblem, das diese Revolution nach sich zog.
Seit einiger Zeit wird durch Hirnforscher und Neurophysiologen die menschliche Willensfreiheit als eine Illusion dargestellt, obwohl man im alttäglichen Leben nicht den Eindruck hat, unfrei zu sein. Hier liegt eine erhebliche Diskrepanz zwischen der wissenschaftlichen Aussage und dem subjektiven Erleben der Wirklichkeit vor.
Nicht alle Staatsmänner sind zu jeder Zeit von der Dauerhaftigkeit ihres Tuns überzeugt. Aber doch die meisten. Große Politik wirkt nicht selten wie für die Ewigkeit gemacht. Große Programme, so auch Verfassungen, haben kein eingebautes Verfallsdatum.
Das Jahr 2009 wird ein wichtiges Jubiläum sehen: Der Fall der Berliner Mauer, der symbolisch steht für die erfolgreiche Bürgerbewegung in der DDR, den friedlichen Aufstand gegen die SED-Diktatur und den Auftakt zur Einheit, jährt sich zum zwanzigsten Mal. In den Akademischen Blättern werden wir dieses Jubiläum würdigen durch eine ausführliche Rückschau auch auf diese Revolution.
Von zentraler Bedeutung für die Geschichte der Freiheits- und Demokratiebewegung in Deutschland ist die Revolution von 1848/49. Was waren die Ursachen? Überall in Deutschland verschärften sich in den 1840er Jahren die Spannungen. Der Unwille über das Metternichsche System der Restauration und den allgegenwärtigen, bürokratischen Obrigkeitsstaat wuchs. Zensur und Parteiverbot dauerten fort, freie Meinungsäußerung und jegliche Form von politischer Aktion wurden unterdrückt. Hinzu kamen soziale Unruhen am Übergang von der alten zur modernen Gesellschaft, die Bedrohung des Handwerks durch die Industrie und nicht zuletzt die Hungerkrise der Jahre 1848/49.
Vor der deutschen Revolution vom November 1918 liegt noch immer ein dichter historischer Nebel. Ins allgemeine Bewusstsein ist ihre Geschichte auch nach rund neunzig Jahren nicht gedrungen. Das liegt vor allem daran, dass sie fast nie als eigene Geschichte erzählt wird, sondern immer nur als Schlusskapitel zum Kaiserreich und zum Ersten Weltkrieg oder als Auftaktkapitel zur Weimarer Republik. Sie ist aber durchaus mehr als das. Sie hat, wie die Zwischenzeit 1945—49 nach dem Zweiten Weltkrieg, ihren eigenen Wert und ihre eigene Tragik. Aber bevor wir darauf zu sprechen kommen, sollten wir uns, eben weil er noch immer nicht wirklich allgemein bekannt ist, den Ablauf der Ereignisse erst einmal ansehen.
Was wir heute Europa nennen, hieß lange „katholische Christenheit“ oder „lateinisches Abendland“; im Mittelalter gab es keine Europaidee; Europa ist erst ein Begriff der Renaissance und insbesondere der Aufklärung.
Die aktuelle Diskussion über die endgültigen Außengrenzen Europas, bis wohin also die EU reichen soll, führt immer wieder auf die Kernfragen zurück: Was ist eigentlich Europa? Wer gehört dazu? Die Suche nach Antworten darauf beginnt meistens mit Geografie und Geschichte. Diese Methode ist keineswegs unlogisch, erklärt sich doch alles Bestehende aus seiner Entstehungsgeschichte. Trotzdem bleiben Verständnisfragen offen oder strittig.
Bemerkungen in Sachen demokratischer Freiheiten. Wem ist heute noch bewusst, welche Bedeutung die Erfindung des modernen Buchdrucks hat? Buchdruck - Mit Gutenberg fängt es an. Als Johannes Gutenberg 1450 in Mainz mit eigener Hand glühendes Blei in eine Form goss, als klirrend die erste bewegliche Letter aus ihrer Form fiel. Das war der Anfang vom Ende des Mittelalters. Der moderne Buchdruck erleuchtet das im geistigen Dämmerlicht liegende Europa taghell.
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