Spätestens mit der Reichsgründung 1871 war der Protestantismus so etwas wie ein identitätsstiftendes Merkmal des deutschen Nationalstaates geworden. Luther als Sinnbild des Widerstandes gegen Willkür, Oppression, Entartung. Uns Heutigen ist diese Auslegung fremd; wir sehen die mittelalterliche Kirche weniger düster, die protestantische mit ihren Schattenseiten. Selbst Luther hat seine Unantastbarkeit eingebüßt. Aber es gibt auch Kontinuitäten: Der unermüdliche Mitstreiter des großen Reformers, Philipp Melanchthon, war zu allen Zeiten unter gleichbleibenden Gesichtspunkten umstritten. War er der „Lehrer Deutschlands“ (Praeceptor Germaniae) oder ein „Leisetreter und prinzipienloser Kompromissler“ (BRENNECKE/SPARN)? Wurzelt in seiner Person die friedfertige Konsensbereitschaft der Evangelischen Kirche oder ihre rückgratlose Anpassungsfähigkeit?
Lebensbilder
Melanchthon – zwischen Reform und Anpassung
Ein Leben für die Freiheit
Unter Verbindungsstudenten wird man kaum einen finden, dem seine Gedichte nicht bekannt sind. Auch heute noch werden Lieder wie „Sind wir vereint zur guten Stunde“ und „Was ist des deutschen Vaterland?“ gerne auf festlichen Veranstaltungen gesungen. Den anderen aber muss man sein Leben wieder näher bringen. Vor 150 Jahren, am 29. Januar 1860, ist Ernst Moritz Arndt gestorben, und es ist wohl angemessen, sich zu seinem Todestag noch einmal eingehend mit Leben und Werk des äußerst bekannten und einflussreichen Publizisten und Freiheitskämpfers zu befassen.
Bruder Wilhelm
Nun also hundertfünfzig. Das ist ein Zeitabstand, bei dem man zu fragen beginnen kann, ob eine Figur, auch eine so ungeheuer wirkmächtige wie Kaiser Wilhelm II., allmählich von der Zeit überwunden worden ist. Zum Vergleich: Der hundertfünfzigste Geburtstag Friedrichs des Großen war 1862, der Bismarcks 1965; es sind schon andere Zeitalter, die nach solchem Abstand angebrochen sind. Viel Wind und Wetter haben die Spuren in der Erde undeutlicher gemacht. Das erlaubt ein wenig mehr der unaufgeregten Distanz, die man zum gerechten Urteilen braucht. Jubiläen sind immer ein Anlass zu solchem Zurückschauen. Also: Auf ein neues.
Robert Blum – „Für Freiheit und Fortschritt gab ich alles hin“
„Mein theures, gutes, liebes Weib, lebe wohl! wohl für die Zeit, die man ewig nennt, die es aber nicht sein wird. Erziehe unsre – jetzt Deine, Kinder zu edlen Menschen, dann werden sie ihrem Vater nimmer Schande machen. Unser kleines Vermögen verkaufe mit Hülfe unserer Freunde. Gott und gute Menschen werden Euch ja helfen. Alles was ich empfinde rinnt in Thränen dahin, daher nur nochmals: leb wohl theures Weib …“
Ein schwieriger Charakter – Sebastian Haffner zum 100. Geburtstag
Wenn man das Leben und Wirken Sebastian Haffners gewissermaßen wie durch ein Fernrohr betrachtet, dann fallen sofort drei Sonderbarkeiten auf. Die erste dieser drei Sonderbarkeiten betrifft den Beruf. In Deutschland hat man es – mehr noch als anderswo – gern, wenn man einen Menschen eindeutig einer Berufsgruppe zuordnen kann. Bei Haffner tut man sich damit schwer.
Attentäter – Graf Stauffenberg und Georg Elser
Am 20. Juli 2009 jährt sich zum 65. Mal das Attentat des Oberst Graf von Stauffenberg auf den Tyrann Adolf Hitler. Dieses Datum, dessen regelmäßig in offiziellen Weihestunden gedacht wird, kennt nahezu jeder. Weit weniger bekannt ist, dass sich auch am 8. November dieses Jahres ein Hitlerattentat jähren wird – nämlich der Bombenanschlag des Tischlergesellen Georg Elser im Münchener Hofbräukeller; zum siebzigsten Mal. Der folgende Beitrag unternimmt den Versuch, die Geschichte dieser beiden höchst unterschiedlichen Attentäter einmal gemeinsam – und gleichrangig – zu erzählen.

Lebensbilder









